John Oliver, mein Lieblings-US-Late-Night-Talker, hat sich neulich mit den grossen Tech-Konzernen angelegt. Apple, Google und Amazon bilden eigentliche Monopole, kritisiert er.

Klar, für unsereins – also die Nerds, die sich täglich mit dieser Materie beschäftigen – ist das keine brandneue Erkenntnis. Wir beobachten die Querelen um den Apple Store und den Rechtsstreit, den der Hersteller der Tinder-App in den Niederlanden gegen Apple ausficht. Dort ist es diese Woche zu einer Einigung gekommen: Es sind nun mehrere Zahlungsmethoden erlaubt, Apples eigene Schnittstelle ist damit nicht mehr unumgänglich.

Freiwillig lenkt Apple nicht ein

An Apples rigoroser Kontrolle seines Stores ändert sich damit nichts Wesentliches. Aber wir wissen, dass die Tech-Konzerne nicht gewillt sind, selbst kleinste Zugeständnisse kampflos zu machen. Es braucht Gerichtsprozesse und Regulierungen, sonst geben die Tech-Giganten keinen Zentimeter nach.

John Oliver dröselt diese Angelegenheit leicht verständlich auf. Er legt dar, dass das Aufbrechen von Monopolen, beispielsweise bei AT&T, ganz im Sinn der Kundschaft war, selbst wenn die Alleinstellung am Markt vorher nicht als sonderlich negativ wahrgenommen hat.

Oliver erklärt das unter dem Stichwort Self preferencing, was man in Deutsch etwas holperig als «Selbstbevorzugung» bezeichnen würde. Apple zeigt in den Suchresultaten im App Store an erster Stelle seine eigenen Produkte. Amazon tut desgleichen, selbst wenn ein Produkt im Online-Store über einen Dritthändler günstiger zu haben wäre.

Das gebrochene Versprechen des Larry Page

Und aufschlussreich die Analyse zu Google. Sie zeigt, wie sich die Suchmaschine über die Jahre gewandelt hat: Anfänglich ging es darum, die Nutzer auf andere Websites weiterzuleiten – was die Hauptaufgabe, wenn nicht die einzige Aufgabe einer Suchmaschine sein müsste. Zu der sich, nebenbei bemerkt, Larry Page in einem «Playboy»-Interview im September 2004 explizit bekannt hat. Es anders zu machen, wäre ein Interessenskonflikt, hat Page gesagt.

Doch über die Jahre hat Google immer mehr eigene Dienste angeflanscht, die nun am Anfang der Liste erscheinen. Zum Beispiel Google Flight, die den klassischen Online-Reisebüros Umsatz wegnehmen.

Und auch interessant: Es gibt zwei Gesetzesentwürfe in den USA (Open App Markets Act und American Choice and Innovation Online Act), die an diesen Monopolen zumindest rütteln könnten. Doch die Gefahr ist gross, dass auch wegen Verflechtungen der Tech-Konzerne mit der US-Politik diese sang- und klanglos untergehen werden.


Nein, keine Angst, der Musikindustrie geht es gut

Die BBC stellt im Podcast «The Inquiry» (Denkanstösse von der BBC) die Frage, ob Spotify die Musikindustrie killen würde (Is Spotify killing the music industry?). Um die Antwort vorwegzunehmen: Sie lautet natürlich nein. Wenn schon, dann killt Spotify die Einnahmemöglichkeiten für Musiker, Komponisten und Texter.

Viele der Erkenntnisse aus diesem Podcast sind Beobachtern ebenfalls nicht neu: Ja, die Musikindustrie hat sich früher mit überteuertem Plastik (in CD-Form) eine goldene Nase verdient. Ja, die Verträge waren oft extrem zuungunsten der Künstler. Und ja, die grossen Labels haben die Zeichen der Zeit mit Napster und Co. verschlafen. Doch gegen Ende der liefert die BBC auch neue Einsichten.

Sinkende Kosten, gleicher Anteil

Vor allem jene, dass die Musikindustrie es geschafft hat, die Streaming-Revolution für die eigenen Zwecke zu nutzen. Denn in der digitalen Ära kann sie sich massive Kosten sparen, weil sie keine Tonträger mehr herstellen und vertreiben muss und auch das Marketing über die digitalen Kanäle günstiger ist, als wenn Plakate geklebt werden müssen. Dennoch ist der Anteil, den die Labels den Musikern abgeben, exakt bei 15 Prozent geblieben. Und da das Abrechnungsmodell der Streamingdienste bei immer grösseren Katalogen für die Wiedergabe eines einzelnen Streams weniger abwirft, sinkt der Lohn für einen Musiker, selbst wenn er seine Einschaltquote halten kann.

Und ja, auch das hat damit zu tun, dass die Musikindustrie ein Quasi-Monopol ist – bzw. ein Oligopol, um genau zu sein. Es bleibt dabei: Für Vielfalt und Fairness müssen Giganten im Markt verhindert oder notfalls zerschlagen werden.

Beitragsbild: Jeff Bezos ist am Zug (Suzy Hazelwood, Pexels-Lizenz).