Fertig gratis!

Wer Googles G-Suite bislang kostenlos genutzt hat, etwa für eine eigene Maildomain, der wird ab dem Juli zur Kasse gebeten. Der Suchmaschinenkonzern setzt seine Strategie fort, ehemals kostenlose Dienste in Bezahl-Angebote umzumünzen.

Die Zeit, in der man bei Google im Gegenzug für ein paar persönliche Daten fast alle Dienste kostenlos bekommen hat, ist definitiv vorbei. Ob Google Fotos oder Youtube, bei der Monetarisierungsmaschine werden die Schrauben angezogen – das war auch die Quintessenz meines Jahresrückblicks im Beitrag Google ist auf dem Weg zum evil empire.

Die jüngste Meldung passt ins Bild:

Wenn Sie die kostenlose G-Suite-Legacy-Edition verwenden, müssen Sie ein Upgrade auf ein kostenpflichtiges Google Workspace-Abonnement durchführen, um Ihre Dienste zu behalten. Die kostenlose G Suite-Legacy-Edition wird ab dem 1. Juli 2022 nicht mehr verfügbar sein.

Das schreibt Google im Google Workspace Helpcenter. Workspace ist der Name von Googles geschäftlichen Anwendungen rund um Gmail, Docs, Drive, Kalender und Hangouts, der zusammen mit den Neuerungen zur Mailanwendung im letzten Sommer verkündet worden ist (siehe Gmail wird zur umfassenden Kommunikations-App; Abo).

Viel Geld für wenig Speicher

Das günstigste Abo für Workspace ist Business Starter. Es kostet 4,68 Euro bzw. sechs US-Dollar pro Monat. Es bietet bescheidene dreissig GB Speicherplatz. Für mehr Reserven muss man entweder Business Standard oder Business Plus für 9,36 Euro (zwölf Dollar) bzw. 15,60 Euro (18 Dollar) buchen. Dafür gibt es dann zwei bzw. fünf TB Speicher.

Es ist anzunehmen, dass diese Neuerung im Vergleich zur gesamten Nutzerschaft wenige Kunden betrifft. Wie man hier nachlesen kann, hat Google den Zugang zur kostenlosen G-Suite (auch «legacy free» genannt) am 6. Dezember 2012 eingestellt. Das ist immerhin zehn Jahre her.

Doch vorher scheint die Gratis-G-Suite ziemlich beliebt gewesen zu sein. Wie «Techcrunch» schreibt, haben viele Leute die G-Suite genutzt, um Gmail unter einer eigenen Maildomain zu verwenden. Man konnte in Gmail einen eigenen Domainnamen eintragen und die Nachrichten via hans-muster@irgendeinname.com empfangen.

«Ich werde hier über den Tisch gezogen»

Diese Möglichkeit haben manche Leute nicht nur für sich selbst, sondern für die ganze Familie genutzt, wie in diesem Podcast oder auch hier bei «Hacker News» dargelegt wird:

Ich werde hier definitiv über den Tisch gezogen. Ich habe die E-Mails von engen Freunden und Familienmitgliedern seit einem Jahrzehnt auf einer alten G-Suite-Instanz gehostet. Wir haben es immer nur für E-Mails mit einer eigenen Domain verwendet. Es war sinnvoll, weil ich ein Passwort zurücksetzen konnte, wenn es jemand vergessen hatten. Jetzt muss ich herausfinden, was ich tun soll.

Unter den Umständen wird es kostspielig: Man bezahlt nicht nur einmal fünf Euro pro Monat, sondern pro Nutzerkonto. Für eine vierköpfige Familie ist das so teuer wie das Netflix-Abo.

Ich schwanke zwischen Mitgefühl und Schadenfreude. Da ich nie ein Fan von Gmail war (Ich mag Gmail nicht), wäre ich auch nie auf die Idee gekommen, mein Mail dorthin zu verfrachten. Trotzdem habe ich Mitgefühl mit den Leuten, die sich jetzt überlegen müssen, ob sie in den sauren Apfel beissen und bezahlen oder ihre Mailnutzung auf neue Beine stellen. Beides ist unerfreulich.

Meines Erachtens sind wir bei der Erkenntnis angelangt, dass man Googles Gratismasche nicht mehr trauen darf. Das ist ärgerlich, aber ein unvermeidlicher und letztlich heilsamer Schock: Es kann nicht angehen, dass Google oder irgendein anderes Unternehmen den Markt mit solchen Gratisangeboten verzerrt.

Googles Strategie rechnet sich

Ins Bild passt auch das: Googles Muttergesellschaft verdoppelt den Gewinn auf sagenhafte 76 Milliarden Dollar, teilt «Der Spiegel» heute mit. Diese Summe kassiert Alphabet nicht etwa im Jahr, sondern in drei Monaten, nämlich im letzten Quartal 2021.

2022 werde der Konzern bei Werbung wohl einen weltweiten Marktanteil von dreissig Prozent erreichen, vermuten die Analysten. Und man darf die Meldung auch so interpretieren, dass sich Googles Abkehr von der Gratis-Mentalität auch im Cloud-Geschäft rechnet:

Das jüngste Wachstum spiegele «solide Werbeausspielungen in allen Formaten und die starke Präsenz der Verbraucher online» sowie ein «substanzielles» Wachstum bei den Cloud-Dienstleistungen wider, teilte Finanzchefin Ruth Porat mit.

Wir dürfen gespannt sein, für welche Gratis-Dienstleistung wir als Nächstes ein Abo für fünf oder zehn Euro pro Monat lösen dürfen.

Beitragsbild: Neuer Name, neues Preisschild (Elle Cartier, Unsplash-Lizenz).

2 Kommentare

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Eines vornweg, ich wusste nicht wo onnst dich einfach zu erreichen, da du anscheinend „nur“ noch in Walled-Gardens unterwegs bist und ich pers. dazu keine Lust habe und dort auch ausgestiegen bin.

FYI: Dein DuckDUckGo Artikel habe ich gerne drüben im Fediverse erwähnt und jup da haben es min. tausend Leute den Post gesehen – Nur so am Rande für die Nische 😉

Mastodon: https://chaos.social/@kubikpixel/107738838012677446

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