Beim Teutates, endlich hat das Machogehabe ein Ende!

Apple, Google, Facebook? Können mir allesamt gestohlen bleiben, wenn es einen neuen Asterix-Band zu lesen gibt. Ich habe mir gleich am Erscheinungstag «Asterix und der Greif» besorgt und mir einen ersten Eindruck vom 39. Band verschafft.

Was ist das dominierende Thema dieser Woche? Die neuen Macbook Pro-Modelle, die so rasend schnell sind, dass die Leute selbst beim Bestellen ihrem zukünftigen Computer nicht mehr hinterherkommen? Facebook, das einen neuen Namen erhalten soll? Die neuen Google-Smartphones oder die Samsung-Präsentation – die offenbar so langweilig war, dass ich noch nicht einmal eine gute Zusammenfassung gefunden habe?

Ein untypisches Cover und ein unerwarteter Titel – aber die Geschichte fügt sich trotzdem harmonisch in die Reihe ein.

Nein, natürlich nicht. Die Nachricht der Woche ist der neue Asterix-Band. Er heisst Asterix und der Greif, ist der 39. Band der Serie und für mich als erklärter Fan seit Kindesbeinen gestern der Grund, mich vor die Türe und ins Comicgeschäft meines Vertrauens zu wagen, um dort das Werk in gedruckter Form zu kaufen. (Nein, nicht digital.)

Was taugs? Ich erlaube mir an dieser Stelle kein abschliessendes Urteil – denn nach ein-, zweimaligen Durchlesen bin ich dazu schlicht nicht in der Lage. Denn von den Erfahrungen mit den alten Bänden weiss ich, dass man manche Dinge erst beim x. Durchgang entdeckt. Oder überhaupt nur deswegen merkt, weil man darauf hingewiesen wird.

So musste meine Tochter mich darauf aufmerksam machen, dass wir im fünften Band Tour de France miterleben, wie Obelix zu Idefix kommt: Der Hund sitzt vor einer Metzgerei und entschliesst sich, den beiden Galliern nachzufolgen. Erst am Ende macht er sich bemerkbar. Dann ist diese unverbrüchliche Freundschaft zu Obelix auch schon geschlossen – und zwar ganz ohne Worte.

Doch es spricht nichts dagegen, einige Beobachtungen aufzuschreiben, die mir beim ersten Lesen aufgefallen sind.

Ein kreativer Geist ist nicht kopierbar

Erstens ist das ein Gefühl, das vielleicht Einbildung ist, wahrscheinlich aber nicht. Nämlich das, dass die Abwesenheit der beiden Schöpfer René Goscinny und Albert Uderzo immer spürbar ist, selbst wenn die beiden neuen Autoren Jean-Yves Ferri und Didier Conrad sich weder bei der Qualität der Zeichnungen, noch bei den Geschichten, dem Detailreichtum der Erzählungen, den diversen Anspielungen und Ehrerbietungen hinter ihren Vorgängern verstecken müssen. Auch klar, dass ein kreativer Geist nie eins zu eins ersetzbar ist und Asterix, Obelix und all die anderen Figuren im gallischen Panoptikum heute andere sind als damals.

Zweitens ist es die Freude darüber, dass es Ferri und Conrad geschafft haben, die Serie sanft zu modernisieren. Die Frauen spielen eine wichtigere Rolle; das war schon in Die Tochter des Vercingetorix der Fall und ist in «Asterix und der Greif» offensichtlich: Beim Volk der Sarmaten lernen Asterix und Obelix einen Lebensstil kennen, der so gar nichts mit den patriarchalen Verhältnissen im alten Gallien korrespondiert: Die Frauen verstehen sich als Amazonen und kämpfen als Nomadinnen, während die Männer den Haushalt erledigen und die Kinder aufziehen.

Die Aussagen zur Aktualität sind beim neuen Band vielfältig und hochpolitisch: Ferri und Conrad machen sich über die römischen Legionäre lustig, die sich in Verschwörungstheorien ergehen, sobald ihnen eine Instruktion ihrer Vorgesetzten als nicht einleuchtend erscheint.

«Alternative Magie»

Miraculix hat an einem Seminar für «alternative Magie» teilgenommen und dabei den Schamanen Terrine kennengelernt, der ihn nun zusammen mit Asterix und Obelix in sein Stammesgebiet lotst, dass heute in Russland und der Ukraine zu finden ist. Die Leute dort sprechen eine andere Sprache, was wie in früheren Geschichten typografisch ausgedrückt wird. Analog zu den Goten in Asterix und die Goten, die Fraktur gesprochen haben, erscheint bei den Sarmaten das E seitenverkehrt. Das verstehe ich als Anspielung ans Ǝ, das wiederum im Aserbaidschanischen gebräuchlich ist.

Dem Rezensenten der «Süddeutschen Zeitung», Martin Zips, ist darüber hinaus aufgefallen, dass die Corona-Pandemie im Buch Spuren hinterlassen hat:

Nicht nur bei den Halstüchern, die im verschneiten Altai-Gebirge bei Galliern und Römern manchmal wie Mund-Nasen-Schutzmasken wirken. Ebenso bei dem Versuch, selbst unter komplizierten klimatischen Bedingungen ein neu komponiertes Zaubertrank-Vakzin zu entwickeln («Vierblättrige Kleeblätter werden bei niedrigen Temperaturen instabil», warnt der Druide). Und, klar, auch «die Immunität» spielt, nicht zuletzt dank der wunderbaren Übersetzung von Klaus Jöken, immer wieder eine Rolle, wenn auch meist von «politischer Immunität» die Rede ist.

Römerhelm ab!

In meiner Wahrnehmung haben Ferri und Conrad im fünften Band nun die optimale Flughöhe erreicht und ein Werk abgeliefert, das sich harmonisch in die Reihe einfügt. Ich teile das Fazit von Matthias Schmidt im «Stern» voll und ganz:

Römerhelm ab also vor den Zeichnungen von Didier Conrad, dem Szenario und den Texten von Jean-Yves Ferri, vom langjährigen Übersetzer Klaus Jöken wieder kongenial übertragen und mit eigenem Sprachwitz angereichert. Asterix lebt – und er fühlt sich zeitgemäss an wie lange nicht.

Beitragsbild: Zugegeben, diese Illustration entspricht nicht so ganz dem Stil, der bei Asterix gepflegt wird. Doch es ist gar nicht so einfach, passende Bilder mit passender Lizenz zum Thema Greif zu finden (Sipa, Pixabay-Lizenz).

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