Mehr Elektroschrott dank Windows 11

Mit Windows 11 will der Softwarekonzern aus Redmond die PC-Welt sicherer machen. Doch mit dem nahen Support-Ende von Windows 10 ergibt sich ein gegenteiliger Effekt.

Beitragsbild: Elektroschrott (CPUs from retired computers waiting for recyclation, Ondřej Martin Mach/Ekolist/Wikimedia, CC BY-SA 3.0).

Windows 11 ist die für Ende Jahr angekündigte nächste Version von Microsofts Betriebssystem. Sie zeichnet sich vor allem durch radikale Hardwareanforderungen aus; auf vielen nicht mehr ganz aktuellen Systemen wird sie wohl nicht laufen. Ich habe das im Beitrag Microsoft hat die Technologieführerschaft verloren harsch kritisiert

Ich bin nicht der einzige, der ein grosses Problem auf die Nutzerschaft zukommen sieht. «Wired» unkt, Microsofts Bemühungen um mehr Sicherheit würde Windows 11 auf einen Kollisionskurs bringen:

Indem Microsoft Windows 11 an ein spezifisches Hardware-Feature bindet, kann es dazu kommen, dass zahlreiche Nutzer auf lange Sicht viel anfälliger für Sicherheitsprobleme sein werden: Das sind die Leute, die die nicht auf Windows 11 aktualisieren können und Windows 10 benutzen müssen – aber das gibt es nicht ewig.

Im Gegenteil: Das Ende von Windows 10 steht inzwischen fest: Für die meisten Anwender ist es der 14. Oktober 2025 – das Ende kommt somit in gut vier Jahren.

Oder unter Umständen schon früher, wie Heise.de in diesem Beitrag auseinanderdröselt: Dieser Zeitpunkt gilt nur für Anwender, die auf der neuesten Version von Windows 10 sind. Für die derzeit aktuelle Version 21H1 ist schon am 13. Dezember 2022 Schluss.

Eine Sicherheitsinitiative, die Unsicherheit bringt

Das ist absurd: Microsoft behauptet, mit Windows 11 die Sicherheit erhöhen zu wollen. Aber wie «Wired» zu Recht aufzeigt, gilt dieser Anspruch nur für Leute, die gewillt sind, allenfalls in neue Hardware zu investieren. Wer sich bis in vier Jahren keinen neuen PC leisten kann oder will, der bekommt keine Sicherheits-Updates mehr und ist entgegen Microsofts erklärten Absichten nicht besser geschützt, sondern im Gegenteil massiven Risiken ausgesetzt.

Das ist unschön, zumal der Konzern auch das Versprechen bricht, dass er seinerzeit bei Einführung von Windows 10 gegeben hat. Bei «Cnet» lässt sich nachlesen, dass das kostenlose Update für Windows 10 damals «für die unterstützte Lebensdauer des Geräts» angeboten hat.

Und ja, wer genau liest, dem fällt die Formulierung für die unterstützte Lebensdauer auf. Sie erlaubt es Microsoft, sich aus der Verantwortung zu stehlen und darauf hinzuweisen, dass niemand behauptet hat, dass die unterstützte Lebensdauer mit der effektiven Lebensdauer zusammenfällt. Aber meines Erachtens ist das unwürdige Haarspalterei, die dem Vertrauen nicht förderlich ist.

Heute noch werden inkompatible PC verkauft

Doch es kommt noch schlimmer: Die Hardwareanforderung, die dazu führt, dass viele relativ neue Geräte bei Windows 11 aussen vor bleiben, bezieht sich auf das TPM 2.0. Das ist ein Sicherheitsmodul, das ich im Beitrag TPM: Was es ist und was es bringt ausführlich erklärt habe. Es serienmässig zu verbauen, ist sinnvoll – es vorauszusetzen, ist es nicht.

Denn wie «Wired» ausführt, ist es selbst bei Geräten, die heute verkauft werden, nicht durchs Band vorhanden. Sie wurden hergestellt, noch bevor Microsofts Anforderungen für Windows 11 bekannt geworden sind.

Eine Lose-Lose-Situation

Microsoft hat es geschafft, die PC-Anwenderschaft in eine Situation hineinzumanöverieren, in der es nur Verlierer gibt: Ein beträchtlicher Anteil der Nutzer wird auf das Update verzichten und Windows 10 über das Supportende hinaus verwenden.

Wie weit verbreitet diese Praxis schon jetzt ist, wissen wir aus Erfahrung; die Netzwelt hat im Januar 2021 berichtet, fast zwanzig Prozent der PCs seien weltweit unsicher, weil alte Systeme zum Einsatz kommen, bei denen Sicherheitslücken nicht mehr geschlossen werden und die deswegen anfällig für Schadsoftware jeglicher Art sind.

Ein anderer Teil der Nutzer wird das tun, was Microsoft beabsichtigt hat und Geräte ersetzen, die noch funktionsfähig und den Anforderungen gewachsen wären. Das ist aber aus Sicht der Nachhaltigkeit ein Unsinn und widerspricht eklatant dem grünen Anstrich, der sich der Konzern an anderer Stelle gibt.

Unnötiger Elektroschrott

Das kritisiert auch «The Verge» in einem Beitrag, der auf die Details eingeht, welche CPUs von Windows 11 unterstützt werden und welche nicht. Auch das könnte zu Hardware-Investitionen führen, die eigentlich unnötig sind:

Kritiker merken an, dass dieser Schritt unnötigen Elektroschrott erzeugen wird, da Verbraucher dazu übergehen, PCs aufzurüsten, die mehr als fähig wären, Windows 11 auszuführen.

In diesem Beitrag zitiert «The Verge» den Sicherheitsexperten Kevin Beaumont, der die Sache in einem Tweet genau auf den Punkt bringt:

Mitten in einer Pandemie, in der Organisationen leiden und ein globaler Chipmangel herrscht, versucht Microsoft, die Leute dazu zu bringen, aus fragwürdigen Sicherheitsgründen ihre Geräte zu ersetzen. Surfaces verkaufen? Nein. Macht ein besseres Betriebssystem!

Hier der Tweet im Original:

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