Windows 11 langweilt mich jetzt schon

Diese Woche ist die nächste Version von Microsofts Betriebssystem durchgesickert. Und auch wenn wir kaum die finale Version zu sehen bekommen haben, so straft sie die grossen Worte vom «grössten Update des Jahrzehnts» dennoch Lügen. Microsoft ist vor allem damit beschäftigt, das Rad zurückzudrehen.

Am kommenden Donnerstag findet Microsofts Veranstaltung statt, an der das «grösste Windows-Update des Jahrzehnts» vorgestellt werden soll, wie sich der Firmenchef Satya Nadella ausgedrückt hat.

Was dort gezeigt wird, sollte eine Überraschung sein. Doch nun ist die eigentliche Bombe schon im Vorfeld geplatzt. Über die chinesische Website Baidu ist eine Vorabversion von Windows 11 durchgesickert, sodass die grosse Ankündigung bereits bekannt ist: Die Nummer hinter dem Namen wird um eins hochgezählt.

Natürlich ist die Veranstaltung deswegen nicht obsolet: Über die Details ist noch nichts bekannt. Dabei ist der Informationsbedarf gross: Interessant wird sein zu erfahren, wann Windows 11 erhältlich sein wird, ob das Update etwas kostet oder ob man als Windows 10-Nutzer automatisch und gratis umsteigen kann – oder vielleicht sogar umsteigen muss, weil Microsoft nicht gewillt ist, Windows 10 und Windows 11 parallel zu pflegen.

Letzteres scheint mir übrigens wahrscheinlich, und es gibt auch bereits Hinweise auf das nahende Supportende bei Windows 10.

Der Berg hat ein Mäuslein geboren

Die Neuerungen sind ausführlich im Netz zu besichtigen, zum Beispiel bei «The Verge» oder bei Heise.de. Kurz zusammengefasst:

  • In der Taskleiste erscheinen die Symbole in der Mitte zentriert.
  • Das Startmenü kommt einfacher als bisher daher. Es wirkt weniger wie ein Menü, sondern mehr wie ein Fenster.
  • Die Kacheln sind weg. Anstelle der Live Tiles erscheinen nun klassische Programm-Icons.
  • Die Fenster zeigen abgerundete Ecken.
  • Über ein neues Icon erscheinen Widgets, die mich sehr an das Fenster erinnern, das ich neulich im Beitrag Eine kleine Neuerung, die Microsoft ganz gross verbockt hat beschrieben habe.
  • Es gibt einen neuen Startup-Sound.
  • Und die Methoden, wie man Fenster anordnet, soll verfeinert werden.

Natürlich wissen wir nicht, ob im fertigen Windows 11 noch weitere Neuerungen dazukommen werden. Das ist sogar wahrscheinlich, zumal Microsoft eine Überarbeitung des Stores in Aussicht gestellt hat, die Store-App in der durchgesickerten Version von Windows 11 aber noch genauso aussieht wie bisher.

Ausserdem will die pcworld.com aus gut unterrichteten Kreisen erfahren haben, der geleakte Build sei unvollständig.

Das glaube ich sofort. Trotzdem scheint es mir wenig wahrscheinlich, dass die besten Funktionen ausstehen und Microsoft die wichtigsten Asse noch im Ärmel hat. Denn gerade die Vorzeigefunktionen würde man früh in Angriff nehmen, um sie ausführlich testen zu können. Aus diesem Grund scheint es mir legitim, schon jetzt Stellung zu Windows 11 zu beziehen.

Es bleibt beim Marketing-Blabla

Und klar: Es liegt im Auge des Betrachters, was man von den Änderungen an der Oberfläche hält. Ich bin wenig begeistert – um nicht zu sagen: Enttäuscht. Ich habe in meinem Beitrag vor zwei Wochen zu Windows 11 zwar die Vermutung geäussert, dass die Behauptung vom «grössten Update des Jahrzehnts» als Marketing-Blabla zu taxieren ist. Aber trotzdem ist das ein eklatanter Widerspruch von Wort und Tat.

Wie dieser Screenshot von «The Verge» zeigt, lässt sich das Startmenü auch wieder auf Linksbündig umschalten.

Denn es scheint, dass Microsoft hauptsächlich damit beschäftigt ist, das Rad weiter zurückzudrehen. Die normalen Icons anstelle der «lebendigen Kacheln» ist ein Rückschritt. Wir erinnern uns: Sie stammten von Microsofts Smartphone-Betriebssystem Windows Phone, wo sie im November 2011 ihren ersten Auftritt hatten und sind mit Windows 8 im Oktober 2012 auf dem Desktop gelandet.

Wurden die Live Tiles genutzt? Und kann man das überhaupt wissen?

Nun, ich nehme an, dass Microsoft Anzeichen dafür hat, dass die Tiles wenig genutzt werden – wobei ich mir nicht sicher bin, ob sich das mittels Telemetriedaten überhaupt sagen lässt. Schliesslich zeichnen sich die Tiles dadurch aus, dass sie nützliche Informationen bereits im Startmenü bereithalten und bei der Wetter-Kachel ein einziger Blick reicht, um sich auf den neuesten Stand zu bringen. Man braucht sie nicht anzuklicken oder auszuwählen, um die Information zu absorbieren. Dementsprechend lässt sich auch nicht wirklich messen, wann ein Anwender sie benutzt hat.

Auch beim Design fährt Microsoft meines Erachtens eher einen rückwärtsgewanden Kurs, wie ich im Beitrag Microsoft dreht das Rad zurück ausgeführt habe. Das hat vielleicht sogar einen gewissen Sinn – aber ich würde das nicht als grosses und wichtiges Update verkaufen, sondern stillschweigend als inkrementelle Neuerungen in Windows 10 behandeln. So oder so macht es den Eindruck, als ob Microsoft keinen echten Plan für sein Desktop-Betriebssystem hat.

Beitragsbild: Screenshot aus dem oben platzierten Youtube-Video.

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