Hört auf Linus und lasst euch impfen!

Die schönste Meldung der Woche verdanken wir ohne Zweifel dem Linux-Vater Torvalds, der einen Impfgegner in den Senkel stellt. Die Meldung, die die höchsten Wellen geworfen hat, war der Ausfall weiter Teile des Webs wegen eines einzelnen Dienstleisters. Und ja – da war ja auch noch etwas in Sachen Apple.

Beitragsbild: Er kann auch brav (Linus Torvalds speaking at the LinuxCon Europe 2014 in Düsseldorf, Krd/Wikimedia, CC BY-SA 3.0).

Torvalds mal wieder

Ich gebe gern zu: Ich mag Linus Torvalds. Das ist der Mann, dem wir Linux zu verdanken haben und der noch heute hinter der Entwicklung des Betriebsystem-Kerns, dem sogenannten Kernel steht. Ich habe seinerzeit die Biografie Just for Fun gelesen und kann die nur empfehlen.

Nun neigt Torvalds dazu, seine Meinung nicht nur offen, sondern sehr offen zu sagen. Er hat sich 2018 deswegen eine Auszeit genommen und auch für Schimpftiraden entschuldigt. Er ist inzwischen wieder zurück, und er bleibt ein Mann der klaren Worte. Das zeigt sich auch bei der folgenden Episode, die man bei «Neowin» nachlesen kann.

Ein Mann namens Enrico Weigelt hat den Unmut Torvalds auf sich gezogen, als er in einer Mailingliste zum Linux-Kernel folgende Verschwörungstheorie in Umlauf brachte:

Ich kenne eine Menge Leute, die niemals an diesem generischen Menschenexperiment teilnehmen werden, das im Grunde eine neue humanoide Rasse erschafft (Menschen, die das giftige Spike-Protein (sic) erzeugen und ausschöpfen, dessen Gensequenz nicht gerade natürlich aussieht).

Es geht um die Impfung gegen Covid-19, respektive um die unsinnige und längst widerlegte Behauptung, die mRNA-Botenstoffe würden das Genom verändern.

Torvalds sagte dem Mann, er solle gefälligst die Klappe halten. Und weil sie so schön ist, zitiere ich seine Aussage ausführlich:

Bitte behalten Sie Ihre unsinnigen und fachlich falschen Anti-Impf-Kommentare für sich.

Sie wissen nicht, wovon Sie reden. Sie wissen nicht, was mRNA ist, und Sie verbreiten idiotische Lügen. Vielleicht tun Sie das unbewusst, weil Sie ungebildet sind. Vielleicht tun Sie das auch, weil Sie mit «Experten» gesprochen oder Youtube-Videos von Scharlatanen gesehen haben, die nicht wissen, wovon wovon sie schwurbeln.

Aber verdammt, unabhängig davon, woher Sie Ihre Fehlinformationen her haben: auf keiner Linux-Kernel-Diskussionsliste werde ich Ihr idiotisches Gefasel unangefochten durchgehen lassen. […]

Lassen Sie sich impfen. Hören Sie auf, die Anti-Vax-Lügen zu glauben! Und wenn Sie darauf bestehen, an die verrückten Verschwörungstheorien zu glauben, dann halten Sie wenigstens in den Linux-Kernel-Diskussionslisten die Klappe.

Und ja: Lasst euch impfen!


Ein Klumpenrisiko des Web

Die Meldung, die diese Woche die höchsten Wellen geschlagen hat, war der Ausfall bei Fastly. Er hat dafür gesorgt, dass viele grosse Websites offline waren: CNN, «The New York Times», «The Guardian», die «Financial Times» und auch die grosse Tech-Website «The Verge» waren für ungefähr eine Stunde nicht mehr erreichbar.

Fastly ist ein sogenanntes Content Delivery Network (CDN), das dazu da ist, die Kapazität grosser Websites zu erhöhen. Zu diesem Zweck kommt eine grosse Zahl von Servern zum Einsatz, die über den ganzen Globus verteilt sind. Das hat für die Nutzer der Websites den Vorteil, dass die Daten kürzere Strecken zurücklegen müssen und dementsprechend die Sites schneller erreichbar sind.

Gleichzeitig ist ein CDN auch der Inbegriff eines Klumpenrisikos: Wenn die Server ausfallen, sind nicht nur einzelne Webanbieter betroffen, sondern sämtliche Kunden des fraglichen CDNs. Wie man im Blogpost von Nick Rockwell, einem der Technik-Verantwortlichen bei Fastly nachlesen kann, war ein (simpler?) Softwarefehler schuld am Blackout:

Wir erlebten einen globalen Ausfall aufgrund eines unentdeckten Softwarefehlers. Er tauchte am 8. Juni auf, als er durch eine gültige Konfigurationsänderung eines Kunden ausgelöst wurde. Wir erkannten die Störung innerhalb einer Minute, identifizierten und isolierten dann die Ursache und deaktivierten die Konfiguration. Innerhalb von 49 Minuten funktionierten 95 Prozent unseres Netzwerks wieder wie gewohnt.

Dieser Ausfall war weitreichend und schwerwiegend, und wir bedauern die Auswirkungen auf unsere Kunden und alle, die sich auf sie verlassen, aufrichtig.

Auch in Sachen Schutz der Privatsphäre sind CDNs nicht unumstritten, wie seinerzeit der Beitrag Ein Scheinargument gegen die Schweizer Kontakttracing-App vor Augen führte. Doch wie der Titel andeutet: Meines Erachtens hält diese Kritik einer Prüfung nicht stand.


Im Westen wenig neues: Die Apple Keynote von dieser Woche

Die Apple-Keynote zur WWDC haben wir im «Nerdfunk» in der schönen, leider in Schweizerdeutsch abgehaltenen Sendung Nur mit der Uhr bekleidet aus dem Haus beackert. Fazit: Wir sind alle eher enttäuscht von den Neuerungen – und das grösste Potenzial orten wir bei den Dingen, die Apple eher nebenbei erwähnt hat: Die Möglichkeit, Gesundheitsdaten in der Familie und mit Vertrauten zu teilen, etwa.

Generell orten wir ein Problem mit dem Timing der Neuerungen: Shareplay ist die Möglichkeit, via Facetime mit Freunden und Bekannten gemeinsam Musik zu hören und Filme anzusehen. Das wäre vor anderthalb Jahren toll gewesen – so aber musste ich in meinen Tipps zu den Kommunikationsmöglichkeiten während der Pandemie halt Watch2gether.com und Netflix Party vorstellen (Per Internet halten wir Kontakt, Paywall).

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