Ist Google ein Monopolist? Muss Google zerschlagen werden?

Ist es bloss ein taktisches Wahlkampfmanöver, dass die Trump-Regierung nun auf Google losgeht – oder bahnt sich eine echte Regulierung des Tech-Sektors an? Mein Wochenkommentar.

Beitragsbild: William Barr – Caricature von DonkeyHotey/Flickr.com, CC BY 2.0

Ja, natürlich: Die neuen iPhones sind da. Darüber haben wir in der letzten Folge unseres Nerdfunk-Podcasts gesprochen, sodass ich mich hier nicht weiter darüber auszulassen brauche. Und charmant fand ich diese Woche die Meldung, dass Nokia Technik für ein 4G-Netz auf dem Mond entwickelt. Auch wenn das natürlich mit den über-ambitionierten Plänen der jetzigen US-Regierung zu tun hat, gebe ich mich gerne der kleinen Tagträumerei hin, wie es wäre, einmal die Gelegenheit zu haben, dieses Netz selbst zu benutzen.

Mit der US-Regierung hat auch die eigentliche grosse Meldung aus dieser Woche zu tun. Das ist die Wettbewerbsklage gegen Google. Das US-Justizministerium will nachweisen, dass Google ein Monopol im Suchmaschinenmarkt hat, was zum Schaden der Nutzer und Konsumenten wäre. Die «Süddeutsche Zeitung» schreibt «Trumps Klage gegen Google könnte historisch sein»:

Trump beweist mit der Klage seinen Wählern, dass er nun auch noch sein Versprechen halten wird, die Tech-Industrie in ihre Schranken zu weisen.

Das Schweizer Radio SRF sieht allerdings nicht Trump federführend bei dieser Klage, sondern der Justizminister William Barr. Es sei nur schwer vorstellbar, dass das Thema die Wählerinnen und Wähler bewegen würde.

Viel eher ist der Ehrgeiz von Justizminister William Barr die treibende Kraft. Er will den historischen Kartellprozess gegen Google auf die Startrampe schieben, solange er im Amt ist. Denn die Wiederwahl seines Chefs im Weissen Haus ist höchst ungewiss.

Ich neige zur Ansicht von SRF-Korrespondentin Isabelle Jacobi. Ich glaube nicht, dass Trump sich sonderlich für Google interessiert. Barr hingegen hat sicherlich ein Interesse daran, die Kontrolle von «Big Tech» nicht den Demokraten zu überlassen. Schliesslich ist das eines der Themen, mit denen sich Elizabeth Warren profiliert hat (Here’s how we can break up Big Tech), die anfänglich mit im Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur war.

Parteiübergreifende Kritik an Big Tech

Bemerkenswert ist jedenfalls, dass die Frage der Machtfülle bei den Tech-Konzernen sowohl für die Republikaner als auch für die Demokraten ein Thema ist. Das müsste den grossen Konzernen zu denken geben: Nicht nur Google, sondern auch Facebook, Amazon und allenfalls Apple.

Randbemerkung: Nachdem sich 2001 das Justizdepartement noch an Microsoft abgearbeitet hat, scheint dieser Konzern heute vom Haken. Windows ist in seinem Bereich noch immer dominant, nur leider interessiert der PC-Markt heute nicht mehr sonderlich.

Und was Suchmaschinen und die Vorherrschaft im Web angeht, ist Microsoft der Juniorpartner – und damit keine Bedrohung für den Wettbewerb. Bei der Klage dürfte Bing dennoch eine Rolle spielen. Dass es diese Suchmaschine gibt, kommt Google sehr gelegen, weil sie beweist, dass die Konkurrenz spielt.

Ob sie in ausreichendem Mass spielt, das ist die eigentliche Frage. Ich habe mich immer mal wieder mit ihr beschäftigt, zum Beispiel hier im Beitrag Konkurrenz belebt das Suchmaschinen-Geschäft.

Die Erkenntnis ist, dass die Herausforderer nicht völlig chancenlos sind, aber nur in einzelnen Nischen punkten können. Und das hat natürlich mit der Dominanz von Google zu tun. Denn wenn wir ehrlich sind, wird heute niemand, der bei Vernunft ist, eine eigene Suchmaschine starten wollen. Ich habe mich vor Kurzem schon einmal mit den Gründen beschäftigt, nämlich als Spekulationen auftraten, Apple würde bald eine eigene Suchmaschine starten.

Nicht einmal Apple kann Google schlagen

Es ist unwahrscheinlich, weil die Suchmaschine von Google ausgezeichnet und nur schwer zu schlagen ist. Der Investitionsbedarf, um zu einem Giganten wie Google auch nur aufzuschliessen, ist riesig. Und eben: Als Marktneuling hat man gar nichts gewonnen, wenn man gleich gut ist wie der Platzhirsch – dann bleiben die Leute bei dem Produkt, das sie schon kennen. Man muss deutlich besser sein, damit die Nutzer einen Wechsel auch nur in Betracht ziehen.

Das ist, mit Verlaub, fast unmöglich. Denn die Suchmaschine ist nicht Googles einziges Produkt. Google ist ein Werbegigant, besitzt mit Android das am weitesten verbreitete Handy-Betriebssystem, kontrolliert mit Youtube die weltgrösste Videoplattform und ist hervorragend darin, diese Produkte eng zu verzahnen. Man könnte auch Gmail, Google Maps und all die anderen Dienste erwähnen – plus Googles Bedeutung bei der Internet-Infrastruktur – auch wenn die Google Cloud Platform natürlich den Amazon Web Services nicht das Wasser reichen kann.

Darum auch mein Urteil, dass Apple einen Teufel tun wird und ganz sicher keine eigene Suchmaschine startet. Ich wünschte, ich würde mich irren – denn wenn selbst ein so mächtiger Konzern wie Apple sich nicht getraut, einen Angriff zu führen, dann bedeutet natürlich tatsächlich nichts Gutes für den Wettbewerb. Es ist ein klarer Beleg dafür, dass der Branchenführer tun und lassen kann, was er will.

Klage gerechtfertigt – aber was nun?

Darum bin ich der Ansicht, dass die Klage gerechtfertigt ist. Wie sie ausgehen wird, bleibt abzuwarten. Hat das Justizministerium den Mut, Google aufzuspalten? Die Auswirkungen bei einer so vernetzten Unternehmung sind nicht absehbar, und ich an Googles Stelle würde wilde Horrorszenarien an die Wand malen. Ob die gerechtfertigt sind oder nicht, lässt sich von aussen kaum beurteilen.

Oder neigt William Barr eher zu Symbolpolitik – beispielsweise, dass Google die Unternehmen wie Apple nicht mehr dafür bezahlen darf, die eigene Suchmaschine als Standard anzubieten?

Ab Dezember 2009 musste Microsoft in Windows während fünf Jahren dieses Menü zur Browser-Auswahl anzeigen.

Letzteres würde Kollateralschaden bewirken. Die Folgen wären verheerend für Firefox. Mozilla bekommt weiterhin fast sein gesamtes Geld von Google. Diese Massnahme würde an Googles Machtposition somit nicht nur nichts ändern, sondern wahrscheinlich Googles Browser Chrome sogar stärken – denn wenn Firefox nicht kontinuierlich weiterentwickelt wird, bleibt er keine brauchbare Alternative.

Meines Erachtens bleibt nur die Wahl zwischen ganz oder gar nicht. Microsoft wurde von der EU seinerzeit gezwungen, bei Windows Alternativen zum Internet Explorer anzubieten. Genutzt hat das gar nichts – im Gegenteil: Als Microsoft diesen Ballot Screen einmal vergessen hat einzubauen, hat es anderthalb Jahre lang niemand gemerkt.

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