Eine selten dämliche Selbst-Sabotage

Heute habe ich es geschafft, mich Windows-mässig mit einem einzigen Klick ausser Gefecht zu setzen. Hier erkläre ich, wie das geht – please don’t try this at home.

Heute habe ich etwas ausnehmend Dummes getan. Ich sass an meinem Windows-Computer, habe fröhlich vor mich hingewerkelt, nichts Böses gedacht – und in meinem unschuldigen Bienchenfleiss einen fatalen Klick getan.

Ich habe als erstes mittels Windows-Taste und a das Action-Center geöffnet. Und dann dort den Mauszeiger auf dem Bluetooth-Knopf platziert und die Maustaste betätigt. Meine Absicht war, den Bluetooth-Kopfhörer zu verbinden.

Das ist über diese Schaltfläche nicht möglich. Stattdessen bewirkt sie etwas viel simpleres: Sie deaktiviert Bluetooth komplett.

Die Auswirkung trat augenblicklich ein und war unmittelbar: Die Maus und Tastatur stellten den Betrieb sofort ein. Kein Wunder, schliesslich sind bzw. waren sie per Bluetooth mit dem Computer verbunden.

An dieser Stelle stellte sich ein interessantes Problem: Wie könnte man es bewerkstelligen, um Bluetooth wieder einzuschalten? Eine direkte Interaktion mit dem Computer war nicht mehr möglich – denn es war schlicht kein Eingabegerät mehr verbunden.

Ich habe sogleich angefangen, meinen Hardwarefundus nach einer kabelgebundenen Maus oder Tastatur zu durchsuchen. Aber Fehlanzeige. Ein Familienmitglied, das an dieser Stelle nicht namentlich genannt werden soll, hat entsprechende Relikte vor einiger Zeit entsorgt. Angeblich, weil man sie ja nicht mehr benötigt.

Was tun? In einem Walk of Shame zum nächsten Computerladen pilgern und sehen, ob es dort noch so etwas Altertümliches wie USB-Mäuse und -Tastaturen zu kaufen gibt? Nein – auf gar keinen Fall! Das hätte meine Nerd-Ehre niemals zugelassen.

Und tatsächlich: Nach einigen bangen Sekunden kam mir der Geistesblitz. Auf dem Computer ist Teamviewer eingerichtet – warum, habe ich seinerzeit im Beitrag Digitale Dekadenz? ausgeführt.

Diese Software erlaubt eine Steuerung von einem zweiten Gerät aus – wenn man denn eine Verbindung herstellen kann. Aber zum Glück habe ich sie so konfiguriert, dass ich den Fernzugang ohne Bestätigung am Ziel-PC in Gang setzen kann.

Also: Sogleich den Mac in Betrieb setzen, Teamviewer starten – und erst einmal aktualisieren, weil jene Version angeblich zu wenig aktuell ist –, dann verbinden und den Bluetooth-Knopf noch einmal drücken.

Teamviewer legt zwar ein nutzloses Feld genau über den Bluetooth-Knopf – betätigen lässt er sich aber trotzdem.

Und das war es auch schon. Maus und Tastatur funktionierten wieder und das fleissige Bienchen konnte seine Arbeit fortsetzen.

Es bleiben drei Erkenntnisse:

Erstens: Es lohnt sich, einen Remote-Zugang parat zu haben. Für selbstverschuldete Pannen wie die geschilderte. Aber auch für den (vermutlich nicht sehr wahrscheinlichen) Fall eines Hardwaredefekts bei der Tastatur und der Maus in genau dem Moment, in dem man dringend ein wichtiges Dokument von diesem Computer benötigt.

Zweitens: Es wäre natürlich sinnvoll, wenn Microsoft in Windows einen Schutzmechanismus einbauen würde. Windows sollte vor dem Abschalten von Bluetooth darauf hinweisen, wenn gerade Verbindungen zu Geräten bestehen. Und besonders sinnvoll wäre eine solche Warnung, wenn es sich um die einzigen Eingabegeräte handelt.

Drittens: In der digitalen Welt wird  – anders als in der realen – Dummheit sofort bestraft.

Beitragsbild: Nick Fewings, Unsplash-Lizenz

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