Zuckerberg will sich nicht boykottieren lassen

Der Rückblick der Woche 27: Mark Zuckerberg ist zuversichtlich, dass die Anzeigekunden trotz Boykott bald zurück sind. Und Apple-Chef Tim Cook muss vor dem US-Repräsentantenhaus zu Monopolvorwürfen Stellung nehmen.

«Die Anzeigekunden sind bald zurück»

Mehrere US-Bürgerrechtsorganisationen wollen, dass die sozialen Medien endlich ernsthafte Massnahmen gegen Hass-Posts ergreifen. Dazu sollen grosse Unternehmen Druck ausüben: Die Anti-Defamation League, NAACP und andere Organisationen haben die Werbetreibenden aufgefordert, ihr Geld von Facebook und anderen Plattformen fernzuhalten, bis dieses Problem eingedämmt ist.

Viele Unternehmen haben dem Aufruf Folge geleistet. Die Liste der Beteiligten ist inzwischen eindrücklich lang: Von Adidas über Coca-Cola, Ford, Honda, HP, Lego, Levi Strauss bis hin zu Microsoft, Patreon, Pfizer, Puma, The North Face und Verizon sind es inzwischen über Hundert grosse Unternehmen, bei Facebook für Milliardenumsätze gesorgt haben.

Nun hat Facebook zwar Massnahmen angekündigt. Doch ob es dem sozialen Netzwerk wirklich ernst ist, bleibt offen – zumal der Facebook-Chef Mark Zuckerberg ein Talent dafür hat, sich unter Druck immer nur so weit zu bewegen, wie es unbedingt nötig ist.

«The Information» bezieht sich auf ein so genanntes Town Hall Meeting, bei dem sich Zuckerberg per Video an die Mitarbeiter gewandt hat: «Meine Vermutung ist, dass all diese Anzeigekunden schon bald wieder auf der Plattform sein werden.»

Das mag arrogant klingen – ist aber wahrscheinlich einfach eine nüchterne bzw. realistische Sicht auf die Dinge. Ich habe auch meine Zweifel, dass die Unternehmen bereit sind, einen Boykott über längere Zeit aufrechtzuerhalten, falls Facebook den Versprechen keine echten Taten folgen lässt.

Meine Prognose: Sobald sich der Boykott in sinkenden Umsätzen manifestiert, werden die Facebook-Ads still und leise zurückkehren. Denn diese Aktion ist für die Unternehmen vor allem PR und kein nachhaltiges Engagement – und darum werden sie kaum den Zorn der Aktionäre in Kauf nehmen. Aber es würde mich freuen, wenn ich mich täusche und der wirtschaftliche Druck das bewirkt, was der Gesetzgeber mit dem NetzDG augenscheinlich nicht erreicht hat.


Tim Cook muss vors Repräsentantenhaus

Der Apple-Chef hat einen Termin beim Unterausschuss des US-Repräsentantenhauses, der sich mit Kartellfragen beschäftigt. Grund ist gemäss einem Beitrag von Heise.de die dominante Stellung, die der Konzern beim App-Store innehat.

Mit dieser Frage beschäftigt sich die EU-Kommission seit Mitte Juni. Eine Untersuchung prüft die Store-Regeln: Es geht um die Provision von dreissig Prozent, aber auch um den Umstand, dass Apple die Hersteller zwingt, ihre Bezahlschnittstelle zu nutzen, wenn sie das Angebot direkt in der App anbieten wollen.

Falls die Hersteller die Bezahlschnittstelle nicht nutzen – weil die Marge die Provision von 30 Prozent an Apple nicht hergibt – dann ist es den Herstellern verboten, in den Apps darauf hinzuweisen, dass die Nutzer Abo-Abschlüsse und Käufe über ihre Websites tätigen können.

Das hat absurde und für die Nutzer nachteilige Konsequenzen. In diesem Blogpost sind sie schön zusammengefasst:

Amazons Kindle und Netflix nutzen die Zahlungsdienste von Apple nicht. Sie müssen es den Nutzern überlassen herauszufinden, wie sie Zugang erhalten: Die Betreiber der Dienste dürfen die Möglichkeit, sich ausserhalb der App anzumelden, nicht erwähnen.

Apple setzt diese Regeln knallhart durch, wie die Eskalation im Streit mit Hey.com gezeigt hat. Dort gibt es einen E-Mail-Dienst, für den man eine jährliche Gebühr von 99 US-Dollar pro Jahr zu entrichten hat.

Da man dieses Abo nur über die Website des Anbieters, nicht aber in der App abschliessen kann, hat Apple ein Update der App nicht zugelassen. Nicht nur das: Es gab auch die Drohung, die App ganz zu entfernen, wenn der Hersteller nicht pariere:

In dem Brief, der vom Hey-Chef ebenfalls öffentlich gemacht wurde, kann man nachlesen, dass Apple weiterhin fordert, dass «Kunden in der Lage sein müssen, den Zugang zu Funktionen oder Funktionalitäten in Ihrer Anwendung über den In-App-Kauf zu erwerben».

Für mich ist der Fall klar: Dieses Verhalten geht so nicht und es ist überfällig, dass sich sowohl die EU-Kommission als auch der Ausschuss des US-Repräsentantenhauses diesen Fall ansehen. Diese Regeln helfen nur Apple: Nicht dem Kunden und schon gar nicht den Anbietern – schon gar nicht jenen, die direkt mit Apple konkurrieren müssen. Zur Erinnerung: Die Untersuchung der EU-Kommission geht auf die Klage von Spotify zurück, die mit einem massiv kürzeren Spiess gegen Apple Music antreten müssen.

Übrigens: In einer zweiten Untersuchung beschäftigt sich die EU-Kommission mit Apple Pay. Die Punkte, die untersucht werden, sind die Beschränkung des Zugangs zur NFC und «tap and go», sowie «mutmassliche Verweigerungen des Zugangs zu Apple Pay».


Wann wirft Twitter Musk raus?

Vor zwei Wochen ging es hier darum, dass Twitter gut daran täte, dem US-Präsidenten seinen Account zu sperren. Ein zweiter Kandidat, dessen Befähigung zur Nutzung von sozialen Medien zumindest fraglich ist, hat immerhin kein Regierungsamt inne.

Doch weil er eine riesige Reichweite hat, müsste man ihm zumindest ein obligatorisches Kürslein in Sachen Fakenews und Verantwortungsbewusstsein verordnen: Die Rede ist von Tesla-Chef Elon Musk, der mit seinen Aussagen zu Covid-19 den Widerspruch von Experten provozierte.

Er hat behauptet, es gäbe sehr viele Covid-19-Tests mit einem falsch-positiven Resultat und die Leute mit negativem Resultat sollten sich alle noch einmal testen lassen.

Übrigens: Musk ist im Oktober 2018 blockiert worden, weil er aus heiterem Himmel für Bitcoin-Käufe geworben und damit den Verdacht erweckt hatte, sein Konto könnte gehackt worden sein.


Voyeuristische Fotos sind jetzt eine Straftat

Der deutsche Bundestag hat eine Gesetzesverschärfung gegen übergriffige Fotos verabschiedet, berichtet Spiegel.de. Wer Frauen unter den Rock oder in den Ausschnitt fotografiert, begeht nun eine Straftat und muss eine Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren gewärtigen. Auch Fotos von Unfalltoten sind nicht mehr erlaubt.

Das wäre auf alle Fälle eine gute Gelegenheit, die so genannten Leserreporter abzuschaffen, die es vor allem bei Boulevard-Medien gibt – und die ausser des Voyeurismus kein Bedürfnis befriedigen.

Beitragsbild: Wenn die Menge der gesammelten Daten tatsächlich dabei helfen würde, die Menschheit zu verstehen, wäre Zuckerberg in diesem Bereich allwissend (Snowscat, Unsplash-Lizenz).

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