Die Smartphone-Fotografie fordert ein prominentes Opfer

Der Rückblick zur Woche 26: Warum das Aus für Olympus-Kameras auch für Smartphone-Fotografen eine traurige Nachricht ist. Und: Warum Apple nun endlich die Hosen herunterlassen muss.

Olympus baut keine Kameras mehr

Ein Abgesang in vier Sätzen, zu lesen bei der BBC:

Olympus, vor Jahren eine der bekanntesten Marken für Fotokameras, verkauft den Teil seines Geschäfts nach 84 Jahren. Die Begründung lautet, dass der «extrem harte Digitalkameramarkt» trotz aller Bemühungen nicht mehr profitabel sei. Das Aufkommen von Smartphones hat die Nachfrage für Kameras, die nur Kameras sind, schrumpfen lassen. Das hatte zur Folge, dass Olympus in den letzten drei Jahren Verlust geschrieben hat.

Der Artikel ist noch ein bisschen länger – mit einer Liebeserklärung an Olympus, ausgesprochen von Nigel Atherton, dem Redaktor einer britischen Fachzeitschrift für Fotografie. Er sagt, die Zuneigung gehe in die 1970er-Jahre zurück:

Diese Kameras waren revolutionär. Sie waren klein, leicht, sie hatten ein tolles Design und Qualitätsobjektive.

Aber das Drama der Erzählung steckt in den vier Sätzen. Und er liesse sich in drei Worten verdichten:

Smartphone killt Fotoapparat.

Und ja: Natürlich ist es toll, dass unsere Handys inzwischen so tolle Fotos machen. Aber es ist auch traurig, welche Opfer das fordert. Es sind nicht nur die Olympus-Kameras, die verschwinden – und die den Freunden der Fotografie fehlen werden, selbst wenn sie selber mit Kameras von anderen Herstellern fotografiert haben sollten.

Es ist auch das Knowhow und die Innovationskraft, die verloren geht. Denn die Smartphone-Hersteller kümmern sich natürlich um die Fotografie – aber aus einer ganz anderen Warte als die Kamerahersteller. Bei denen hängt das ganze Herz an dieser einen Funktion. Bei den Smartphone-Produzenten ist das Filmen und Fotografieren und ein Feature unter vielen.


Die Schweizer Kontakttracing-App Swisscovid ist da

Für manche Leute, die die App bereits seit einiger Zeit halblegal benutzt haben, war das diese Woche nur noch eine Vollzugsmeldung: Nun ist die Schweizer Kontakttracing-App namens Swisscovid offiziell in den Stores (Android/iPhone).

Ich habe dazu ein Video fabriziert, das die App im Detail vorstellt und erklärt, weswegen ich der Überzeugung bin, dass man sie nutzen sollte. Und wir haben auch in der letzten Ausgabe des Nerdfunks über die App gesprochen.


Da war noch was … ach ja, Apple!

Am Montag war auch die grosse Apple-Show zum Auftakt der Entwicklerkonferenz WWDC, die dieses Jahr nur virtuell stattfand.

Ich konnte die Keynote nicht verfolgen, da ich just zu der Zeit die Familie bekochen und das Kind ins Bett bringen musste. Aber die Euphorie der eingefleischten Apple-Fans war auch via Twitter spürbar.

Ich fand die Ankündigungen zwar interessanter als auch schon. Aber in Hochstimmung versetzt haben sie mich nicht. Die Neuerungen zum Homescreen habe ich fast genauso prophezeit. Wahrscheinlich ist es auch ein Zeichen von Abgeklärtheit, dass ich mich nicht durch jedes kleine neue Feature gleich in Festtagslaune versetzen lasse. Aber der Hauptgrund dürfte sein, dass mich die grösste Ankündigung zwiespältig zurücklässt.

Das ist natürlich die Absicht, in den Macs künftig keine Intel-CPUs mehr zu verbauen, sondern Apple Silicon – ARM-Prozessoren nach eigener Bauart.

Dieser Entscheid ist absolut sinnvoll: Das iPhone und das iPad beweisen, dass Apple Prozessoren bauen kann und dass es unbestreitbare Vorteile hat, wenn der Hersteller diese Komponente unter Kontrolle hat.

Ich rechne mir auch für die Macs erhebliche Vorteile aus. Vor allem bei den Macbooks werden wir sicherlich mit längeren Batterielaufzeiten rechnen dürfen. In allen Geräteklassen dürfte es Performance-Gewinne geben.

Ich traue Apple auch zu, den Umstieg auf die eigenen Prozessoren mit wenig Reibungsverlusten hinzubekommen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie der Wechsel von PowerPC auf Intel geklappt hat. Heute dürfte das um einiges komplexer sein, wenn wir an Schnittstellen wie Thunderbolt oder an die Unterstützung der Peripherie – von Audio-Devices bis zu 5k-Monitoren – denken. Aber mein Eindruck ist, dass ich Apple lange genug mit den Details beschäftigt hat, um die Aktion in zwei Jahren durchzubekommen – wie es erklärtes Ziel ist.

Die offene Frage ist für mich, welche Softwarestrategie Apple verfolgt. An der Konferenz hat Apple auch die nächste Version des Mac OS namens Big Sur angekündigt. Bei der fällt auf, dass die Optik ans iPad und dessen Betriebssystem angeglichen wurde. Erstens gefällt mir diese Optik nicht sonderlich gut. Und zweitens wirft diese Aktion unweigerlich die Frage auf, ob das auf eine Verschmelzung der Systeme hindeutet.

Und die würde ich sehr negativ sehen – vor allem, weil anzunehmen wäre, dass das iPad den Takt angeben würde.

Das würde sicherlich bedeuten, dass es beim Mac OS stärkere Einschränkungen gäbe: Kann man noch ein Dualboot mit anderen Systemen ausführen? Wird es Software irgendwann nur noch aus dem Store geben? (Die Ankündigung, dass man künftig jede iPad-App unter Mac OS wird ausführen können, ist noch so ein Indiz.) Wird das System, wie beim iPad, so stark abgekapselt, dass System-Utilities nicht mehr verwendbar sind?

Ich ein Fan der Betriebssysteme alter Schule – jener offenen Konstrukte, die man als Anwender noch eigenhändig zerstören konnte, indem man beispielsweise aus Mutwilligkeit oder Dummheit eine Systemdatei gelöscht hat.

Für mich ist eines klar: Es ist an der Zeit, dass Apple endlich die Hosen herunterlässt und ein paar Details zu der Langzeitstrategie bekannt gibt: Sollen iPad OS und Mac OS irgendwann mal verschmolzen werden? Wenn ja, unter welchen Vorzeichen? Wenn nein, wie soll die Beziehung dieser beiden Systeme künftig aussehen?

Und falls Apple das selbst noch nicht so genau weiss: Ihr dürft mich gerne an eine Retraite einladen. Wetten, dass ihr hinterher klarer seht? 😉

Beitragsbild: Wie zur letzten Ruhe gebettet (Lucas Pezeta, Pexels-Lizenz).

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