Dumme Pannen mit smarten Überwachungskameras

Dumme Pannen mit smarten Überwachungskameras

Hat eine smarte Kamera die falsche Haustür überwacht?

Eine Türklingel ist eine unkomplizierte Sache: Jemand drückt unten an der Tür auf den Knopf, oben schellt es. Wenn nun die Türklingel digitalisiert wird, dann ist die Sache plötzlich nicht mehr ganz so einfach. Jemand hat die Benachrichtigung von einer falschen Türklingel auf seinem Google Nest Hub erhalten, berichtet androidpolice.com.

Es gibt aber nur wenige Details zum Vorfall, der vom fälschlicherweise angeklingelten Nest-Besitzer bei Reddit publik gemacht worden ist. Die Person schreibt, dass das Videobild ungefragt auf seinem Display erschienen sei, während er in der Küche sass. Zu sehen war das Bild einer fremden Haustür-Kamera.

Androidpolice erinnert daran, dass ein ähnlicher Vorfall schon im Januar mit einer Xiaomi-Kamera gemeldet worden war. Der Besitzer eines Mijia-Modells hatte Bilder von anderen Leuten zu Gesicht bekommen, während er eigentlich seinen eigenen Feed hatte ansehen wollen.

Bilder falscher Haustüren ist das eine. Aber die Kameras werden auch angeboten, um das Innere der Häuser zu überwachen. Und es gibt die digitalen Babyphone. Aber vermutlich will niemand, dass Fremde die Gelegenheit erhalten, dass eigene Kind anzuglotzen.  Falls die Geschichte wahr sein sollte, wäre das überaus peinlich für Google.


Keine Werbung mehr, die den Browser ausbremst

In Caschys Blog habe ich einen Verweis auf einen interessanten Beitrag im Chromium-Blog gesehen. Dort schreibt das Team:

Wir haben herausgefunden, dass ein Bruchteil eines Prozentsatzes der Anzeigen einen übermässig hohen Anteil der Geräteressourcen verbraucht. Sie belasten Akku und das Neetzwerk, ohne dass der Benutzer etwas merkt.

Die Werbung, zum Beispiel solche fürs Schürfen von Kryptowährungen, seien schlecht programmiert oder nicht optimiert. Sie werden nun automatisch vom Browser geschlossen.

Das ist eine gute Sache. Eigentlich versteht es sich von selbst, dass Werbung in jeder Hinsicht zurückhaltend sein sollte: Man schreit dem Nutzer nicht ins Gesicht und hindert ihn nicht daran, seiner eigentlichen Tätigkeit nachzugehen – beispielsweise, indem man die eigentlichen Inhalte einer Website überlagert. Dass Werbung nicht nervt, ist das Ziel von Googles Better Ads Coalition. Über die habe ich mich schon sehr kritisch geäussert (Mark ist ein Depp), weil sie ein Tamtam um Dinge veranstaltet, die eigentlich selbstverständlich sein sollten.

Das gilt auch in dem Fall: Natürlich ist es gut, wenn der Browser Werbung blockiert, die den Akku leer saugt. Noch viel besser wäre es allerdings, wenn solche Werbung in Googles Werbenetzwerk erst gar nicht geschaltet werden könnte.


Big Tech hat nicht die Antwort auf alles

Das Coronavirus entzaubert das Silicon Valley, findet Kommentator David Rotman bei Heise.de. Der Text stammt aus der Zeitschrift MIT Technology Review und ist im amerikanischen Original hier zu lesen.

Es spricht eine grosse Frustration aus ihm: Zwar beherbergen die USA mit dem Silicon Valley das Epizentrum der digitalen Entwicklung. Doch während der Pandemie ist diese Technologieführerschaft nicht viel wert. Die grossen Tech-Konzerne tragen nichts zur Behebung der Krise bei, die in den USA bekanntlich besonders brutal wütet.

Sie [die grossen Tech-Konzerne] werden uns wahrscheinlich keine Impfstoffe oder diagnostischen Tests liefern. Wir scheinen nicht einmal zu wissen, wie man ein Wattestäbchen herstellt. Diejenigen, die hoffen, die USA könnten ihre dominante Technologieindustrie in einen Innovationsdynamo gegen die Pandemie verwandeln, werden enttäuscht werden.

Einerseits verstehe ich die Enttäuschung. Andererseits kommt man als Europäer nicht umhin, eine gewisse Arroganz auszumachen: Wieso sollten die USA in allem überlegen sein, nur weil sie die technologische Führerschaft innehaben? Natürlich, die Bekämpfung der Pandemie findet auch auf technischer bzw. wissenschaftlicher Ebene statt. Aber eben nicht nur. Der Zusammenhalt in der Gesellschaft ist mindestens genauso wichtig. Und diesbezüglich haben andere, weniger gespaltene Nationen den USA einiges voraus.


Amazon als Krisengewinnler

Apropos Big Tech: Der Internethandel, früher E-Commerce genannt, profitiert von der Krise. Das gilt weniger für die Angestellten, die die Pakete schnüren oder austragen. als vielmehr für die Unternehmen und ihre Besitzer. Der Gewinner der Corona-Krise ist Amazon, hat die NZZ neulich festgestellt:

Tatsächlich konnte das Unternehmen den Umsatz im ersten Quartal dieses Jahres im Vergleich mit dem Vorjahr um satte 26 Prozent auf 75,5 Milliarden US-Dollar steigern, (…) während der Nettogewinn um etwa 30 Prozent auf 2,5 Milliarden gefallen ist. Das hat damit zu tun, dass Amazon in kurzer Zeit massiv investieren und etwa 170’000 neue Mitarbeiter einstellen musste.

bgr.com spekuliert schon darüber, ob Amazon-Chef Jeff Bezos der erste Billionär werden wird. Es wird aber nicht demnächst so weit sein, sondern erst im Verlauf dieser Dekade. Trotzdem verstehe ich es, wenn Senatorin Elizabeth Warren, die meiner bescheidenen Meinung nach besser geeignet gewesen wäre, um gegen Trump nominiert zu werden, auf Twitter schreibt, das sei amoralisch, wo Amazon gleichzeitig den Arbeitern keine Überstunden mehr bezahle.

Und ja: Auch Steuern zu bezahlen, wäre in der Situation nicht verkehrt, finde ich.


Beitragsbild: Zum Heulen (Juan Álvarez Ajamil, Unsplash-Lizenz)!

Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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