Corona beschleunigt unvermeidliche Entwicklungen

Corona beschleunigt unvermeidliche Entwicklungen

Mit Steuergeld Fluggesellschaften retten?

Bei Futurezone habe ich eine Berufsbezeichnung entdeckt, die ich bis jetzt noch nicht kannte. Tina Wirnsberger, die Autorin des hier zu diskutierenden Gastkommentars ist «Trainerin für nachhaltige Wirtschaft und Politik». Und sie schreibt den Politikern auch eine nachhaltige Lektion ins Stammbuch. Sie sollen nämlich den Planeten retten statt Fluglinien.

Das ist ein Gedanke, der mir auch schon gekommen ist. Soll man jede Menge Steuergeld in eine Branche pumpen, die sowieso nicht um einen massiven Strukturwandel herumkommt? Oder wäre es nicht viel besser, die durch Corona gebotene Gelegenheit wahrzunehmen, eine Entwicklung zu beschleunigen, die sich sowieso nicht vermeiden lässt? Klar, mir leuchtet schon ein, wie viele Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Aber da kommentiert Tina Wirnsberger treffsicher:

«Arbeitsplätze retten» ist das Reizwort, mit dem umweltschädigende Konzerne seit Jahrzehnten einhellig mit ihren politischen Co-Piloten jegliche Versuche in den Wind schießen, ihr Treiben in ökologischere Rahmenbedingungen zu zwingen. Auch jetzt versuchen sie wieder, diese Karte zu ziehen.

Es ist jedenfalls bemerkenswert, wie manche Branchen es offenbar für selbstverständlich halten, dass der Staat sie alle paar Jubeljahre wieder aus dem Sumpf ziehen muss. Die Flugindustrie zählt dazu. Und natürlich die Banken. Auch die sind darauf abonniert, eine Karte zu ziehen – nämlich die, auf der Too big to fail steht.

Ich würde mich jedenfalls nicht a priori gegen eine Rettung stemmen. Aber es ist sonnenklar, dass der Retter eine echt deftige Gegenleistung verlangen sollte. Man kann im Gegenzug eine grüne Firmenpolitik diktieren, so wie die Franzosen das versuchen. Aber das scheint mir der Versuch einer Quadratur des Kreises. Eine per se umweltschädliche Branche wird sich so nicht auf Grün trimmen lassen. Etwas bringen würde nur eine Mehrheitsbeteiligung des Staates, der die Fluggesellschaft dann über die nächsten Jahre gezielt auf das systemrelevante Minimum redimensioniert – alles andere ist nur Augenwischerei.


Corona setzt auch Tech-Unternehmen zu

Twitter macht wegen Corona Verluste. Zwar steigt die Nutzung des Dienstes, weil die Leute ein gesteigertes Mitteilungsbedürfnis haben. Doch die Einnahmen sinken. Denn wo die Konsummöglichkeiten fehlen, gibt es auch weniger Werbemöglichkeiten. Das ist das gleiche Dilemma, unter dem auch die klassischen Medien, Zeitungen, Radio, Fernsehen und News-Websites leiden.

Auch beim Crowdfunding stehen die Zeichen auf Sturm. Der Rückgang an Projekten betrage 35 Prozent, habe ich hier gelesen. Nun drohen Entlassungen.


Seit langem gibt es wieder ein Wachstum bei den iPad-Downloadzahlen

Zum ersten Mal seit vier Jahren wächst die Zahl der Downloads bei den Apps fürs iPad, wenn diesem Beitrag von SensorTowser Glauben schenken mag:

Angetrieben durch die Covid-19-Pandemie überstieg die Zahl der vierteljährlichen Erst-Downloads im ersten Quartal 2020 weltweit 1,1 Milliarden. Zum ersten Mal seit dem vierten Quartal 2013 wächst die Kennzahl. Der Anstieg beträgt 40 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2019.

Die Ausgaben für iPad-Apps sind in diesem Quartal im Vergleich mit der Vorjahresperiode demnach um 16 Prozent nach oben gegangen und haben die Schwelle zu zwei Milliarden überschritten.

Das Interesse erlahmte… und musste erst durch eine Pandemie wieder angeheizt werden.

Dass die Leute mehr zu Hause sitzen und mehr Zeit mit ihren Tablets verbringen, finde ich nicht überraschend. Wirklich verblüfft hat mich indes, dass es seit 2014 im Schnitt abwärts ging. Zwar ist es ein offenes Geheimnis, dass die Verkaufszahlen in letzter Zeit stagnierten – die Details gibt es bei statista.com, wo man sieht, dass der Höhepunkt 2013 war, mit einem Ausreisser im ersten Quartal 2014, in dem gut 26 Millionen Geräte verkauft worden sind. Seitdem verharrte die Zahl mehr oder weniger bei zehn Millionen Geräten pro Quartal, mal mit einem Ausschlag nach oben, mal nach unten.

Da iPads langlebig sind, dürfte die Zahl der im Einsatz befindlichen Geräte in der letzten Zeit aber doch angestiegen sein. Warum hat das nicht auch einen Anstieg bei den Downloadzahlen zur Folge? Das lässt sich nur so erklären, dass die Leute mit relativ wenigen Apps zufrieden sind. Ist das Tablet einmal mit Apps bestückt, scheint die Lust neue Software ziemlich zu erlahmen. Das spricht für mich dafür, dass allen Bemühungen Apples zum Trotz, das iPad als produktives Gerät zu etablieren, die meisten Leute doch vor allem lesen und Filme ansehen…


Wie gut erkennen Algorithmen maskierte Gesichter?

Die Behörden sind sich nicht einig, was das Tragen von Schutzmasken effektiv bringt. Entsprechend sind die Unterschiede massiv. Deutschland scheint sich inzwischen an die Masken zu gewöhnen. Akzeptanz und Verbreitung sind vergleichsweise hoch. Hier in der Schweiz sieht man die Masken selten. Eine Schätzung besagt, dass in Zürich und in anderen deutschschweizer Städten gerade mal ein Zehntel der Leute eine Maske trägt. Das ist nicht gerade viel – und wenn der öffentliche Verkehr wieder hochgefahren wird, sollten wir uns vielleicht doch mit dieser Schutzmassnahme anfreunden.

Derweil fragt sich die Tech-Community, bzw. eines ihrer offiziellen Publikationsorgane, wie gut sich Algorithmen mit diesen Masken verstehen. «Wired» fragt: How Well Can Algorithms Recognize Your Masked Face? Die Gesichtserkennung ist in manchen Ländern in der Öffentlichkeit so weit verbreitet, dass eine Maskentragpflicht oder -gebot Sicherheitskonzepte zum Wanken bringen würde, die auf dieser Methode basieren.

Die Verkäufer derlei Technologien behaupten nun, die Masken seien nur ein kleines Problem. Doch unabhängige Überprüfungen dieser Behauptungen gibt es nicht – und man darf daran zweifeln, da die Gesichtserkennung am Smartphone mit verhüllten Gesichtern nachweislich Mühe bekundet. So könnte es sein, dass die Pandemie zumindest im öffentlichen Raum wieder für etwas mehr Privatsphäre sorgt.

Beitragsbild: Ich gebe zu, ich Bildmanipulator habe das Originalbild (Juhasz Imre, Pexels-Lizenz) an der horizontalen Achse gespiegelt.

Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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