Das Netz wird nicht zusammenbrechen

Das Netz wird nicht zusammenbrechen

Wird das Internet zusammenkrachen, wenn nun alle Homeoffice machen? Die Frage drängt sich in Zeiten der Corona-Epidemie natürlich auf, und sie wird in Medien und sozialen Medien intensiv diskutiert.

Ich bin nun kein Netzwerkexperte und habe nicht die Einsichten, wie sie den Leuten zur Verfügung stehen, die einen Blick auf die Dashboards der Mobilfunkbetreiber und Internetprovider werfen können. Trotzdem scheint mir die Sorge unbegründet. Und zwar aus folgenden Gründen:

Erstens arbeiten viele von uns (zum Beispiel ich) am Arbeitsplatz zur Hauptsache mit Cloud-Anwendungen. Ob man sich von zu Hause aus oder vom Arbeitsplatz mit Google G-Suite verbindet, macht keinen Unterschied bei der Netzauslastung.

Zweitens sollte sich der Zusatzaufwand für Datenaustausch – wenn man sich Dateien und Dokumente vom Server des Arbeitgebers ziehen muss – in Grenzen halten. Klar, es gibt natürlich Ausnahmen: Wer ein Video schneidet, muss vielleicht ein paar Gigabytes von einem Server ziehen.

Andererseits: Wenn Microsoft oder Apple ein Update ausrollt, dann ziehen im selben Moment Hunderttausende von Geräten Updates, die locker mehrere Gigabytes gross sind. Hat schon jemals jemand deswegen nur den kleinsten Einbruch bei der Verbindungsqualität bemerkt?

Drittens anerkenne ich natürlich, dass ein Mehrbedarf an Kommunikation besteht. Das Telefonieren sollte nicht ins Gewicht fallen – aber Videotelefonie und vor allem das Streaming von Vorlesungen, Schulstunden, Sitzungen und anderen virtuellen Treffen könnte einen gewissen «Impact» haben.

Aber wie gross müsste der sein, dass er stärker ins Gewicht fällt als unsere normalen Streaming-Aktivitäten? Es braucht einige Dutzend Skype-Verbindungen, um nur auf die gleiche Datenrate eines 4k-Streams bei Netflix zu kommen. Und die verkraftet das Netz jeden Abend ohne den leisesten Ruckler.

Ferner man kann sich anpassen. Man muss nicht unbedingt in Full-HD videotelefonieren. Die Protokolle darauf ausgelegt, auch mit knapper Bandbreite auszukommen. Sinnvoll ist natürlich, für längeres Streaming nicht das Mobilfunknetz, sondern einen lokalen Internetanschluss zu nutzen.

Und schliesslich sind die Offline-Programme nicht ausgestorben. Man kann seine Texte und Tabellenkalkulationen auch ohne jegliche Konnektivität pflegen. Klar, ab und zu wird man ein bisschen googeln wollen. Aber wie gesagt: Das tun wir sonst ja auch.

Fazit: Ich kann mich irren, aber ich wage zu behaupten, dass das kein vordringliches Problem ist.

Beitragsbild: Dann halt ein paar Kabel mehr einstecken (Field Engineer, Pexels-Lizenz).

Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

Kommentar verfassen