Hat hier wirklich einer Apples Geheimnisse ausgeplaudert?

Der Wochenrückblick von Woche 8: Apple gegen einen ehemaligen Mitarbeiter, wählbare Standard-Apps in iOS 149, Verbesserungen beim Windows-Update und eine neue Twitter-Funktion gegen Fakenews.

Letzte Woche war einiges los: Ein guter Auftakt für meine schöne neue Rubrik des Wochenrückblicks. Diese Woche war nicht ganz so spektakulär. Trotzdem: Ein paar Meldungen sind mir aufgefallen.

Apple will Buch eines Ex-Managers verbieten

Gibt es hier wirklich brandheisse Geschäftsgeheimnisse zu lesen?

Tom Sadowski hat während den letzten 10 Jahre das App-Geschäft und zuvor das Marketing für iTunes für Apple in Deutschland, Österreich und der Schweiz geleitet – das schreibt er auf seiner Homepage. Nun hat er das Buch App Store Confidential (Taschenbuch bei Amazon) geschrieben, das «einen ebenso erkenntnisreichen wie unterhaltsamen Einblick in die Welt der App Economy» gibt und «wertvolle Tipps für App-Entwickler und ein Blick in die Zukunft eines Milliardengeschäfts mit unvorstellbaren Wachstumsraten» bereithält.

Apple hat Autor und Verlag abgemahnt, weil «Sadowski im Buch angeblich Geschäftsgeheimnisse ausplaudere». Bessere Werbung kann man sich nicht wünschen. Trotzdem dürfte es ein mulmiges Gefühl sein, wenn einem ein milliardenschwerer Konzern die Anwälte auf den Hals hetzt.

Was genau das Problem ist, hat Apple indes nicht gesagt: «Welche vertraulichen Geschäftspraktiken Tom Sadowski in seinem Buch preisgeben soll, bleibt für alle Beteiligten unklar», schreibt die «Süddeutsche Zeitung». Und Apple sagte, weil die Geschäftspraktiken geheim seien, könne man keine weiteren Details dazu preisgeben.

Vielleicht geht es hier darum, ein Exempel zu statuieren, damit künftige Ex-Manager erst gar nicht auf die Idee eines eigenen Enthüllungsbuchs kommen?


Wählbare Standard-Apps in iOS 14

Offenbar prüft Apple die Möglichkeit, in iOS 14 dem Nutzer in Sachen Mailprogramm und Browser eine Wahl einzuräumen. Heute ist es so, dass die Apple-Apps Standard sind. Man kann zwar Alternativen installieren. Doch standardmässig wird beim Betätigen eines Links Safari und beim Tippen auf eine Mailadresse Apple Mail geöffnet.

Die Berichte zu derlei Gedankenspielen stammen von «Bloomberg»: Apple Weighs Letting Users Switch Default iPhone Apps to Rivals. Und gemäss diesem Artikel soll Apple auch darüber nachdenken, den Homepod für Musikdienste von Drittanbietern zu öffnen, namentlich Spotify.

Diese Gedankenspiele könnten mit den Wettbewerbsbeschwerden zusammenhängen, die Spotify im letzten Jahr auf den Weg gebracht hat. Siehe dazu: Apple, der moderne Wegelagerer? Nilay Patel, der Chefredaktor von «The Verge» schrieb dazu auf Twitter: «Lustig, wie selbst der kleinste Häuchlein einer Kartellklage Unternehmen dazu bringt, ihr Verhalten zu ändern.»

So weit ist es zwar noch nicht. Aber aus Nutzersicht sind wählbare Standard-Apps ein Muss. Ich erwarte von Apple nicht die plötzliche, totale Offenheit. Aber das wäre das Minimum – denn so gut die Apple-Apps im Schnitt auch sind, es gibt oft eine Alternative, die individuellen Bedürfnissen besser gerecht wird.


Microsoft öffnet Windows-Update für Dritthersteller

Heise berichtet, dass Treiber-Updates nun über den Windows-Aktualisierungsmechanismus bereitgestellt werden können. Dafür gibt es neu das Partner Center for Windows Hardware.

Das ist absolut sinnvoll – und so einleuchtend, dass man sich fragt, warum es diese Funktion nicht seit zwanzig Jahren gibt. Und wenn Microsoft schon dabei ist, den Updateprozess zu verbessern: Wieso werden dann nicht auch die Dritt-Apps in einen automatischen, zentralen Aktualisierungsmechanismus eingebunden? Mich nervt seit Jahrzehnten, dass jedes noch so triviale Anwendungsprogramm einen eigenen Updater mitbringt, der beim Start automatisch aktiv wird und nach neuen Versionen sucht. Das bremst den Start des Systems aus. Es ist ineffizient und hat eine Verschwendung von Systemressourcen zur Folge.

Immerhin: Das Problem betrifft nur klassische Desktop-Apps. Die UWP-Apps aus dem Store werden auch via Store automatisch aktualisiert.


Lassen sich Trumps Lügen bei Twitter bald anprangern?

Bei «Venture Beat» habe ich eine Reuters-Meldung gelesen, wonach Twitter ein Feature für Community-Moderation testet, das es den Nutzern ermöglicht, Lügen von Politikern aufzudecken. Die Twitter-Nutzer hätten nach Mitteilung des Microblogging-Dienstes ein Werkzeug zur Verfügung, mit dem «sie irreführende Informationen von Politikern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens mit bunten Etiketten versehen könnten».

Das klingt spannend – und wenn diese Funktion intern bei Twitter nicht «Detrumpinator» genannt wird, dann fresse ich einen Besen. Ein Mechanismus gegen Fake News in sozialen Medien ist richtig und wichtig.

Ob das der richtige Weg ist und ob es nicht nur zu einer Polarisation führt, scheint mir fraglich. Facebook hat seine Markierungen von Falschmeldungen, die Disputed-Labels, nach einem Jahr wieder aufgegeben. Stattdessen werden Links zu Artikeln mit Kontextinformationen angezeigt. Das habe zur Folge, dass solche Artikel weniger Verbreitung fänden, hiess es im Blogpost von Facebook zu dieser Änderung.

Beitragsbild: Apple versus Buch (Pixabay, Pexels-Lizenz).

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