Die neutralste Website der Welt

Die neutralste Website der Welt

Zugegeben: Das Problem, das ich heute hier bespreche, ist ein absolutes Nischenthema. Kein vernünftiger Mensch ist ihm jemals begegnet. Es betrifft nur ein paar Tech-Blogger, Screenshot-Weltmeister und Produzenten von How-To-Videos. Also ungefähr zwanzig Leute in ganz Europa.

Aber da ich einer von diesen zwanzig Leuten bin, erlaube ich mir, es hier zu besprechen. Es geht um die Frage, welche Websites sich für jene Situationen eignen, wenn es nicht um die Website geht – wenn man einen Browser in einem Video oder Screenshot zeigen oder irgend etwas vorführen möchte, aber ohne dass die eigentliche Website selbst relevant ist.

Natürlich: Gerne nimmt man sein eigenes Blog, die Website seines Arbeitgebers oder sonst eine grosse Site, wie zum Beispiel Google. Manchmal sind aber auch die zu unruhig und zu ablenkend. In solchen Fällen hilft blank.org weiter. Sie zeigt, wie der Name andeutet, eine leere Website an.

Es ist auch kein Problem, eine leere Website selbst zu basteln. Man öffnet irgend eine, betätigt bei Firefox die Tastenkombination Ctrl + Shift + c, bzw. via Menü und Extras > Web-Entwickler den Inspektor. Dort markiert man die zweite Zeile nach <!DOCTYPE html> und drückt dann so lange die Löschen-Taste (Delete), bis alles weg ist. Damit verschwindet auch der gesamte Inhalt der Site. Aber keine Angst, nur in eurem Browser: Ihr macht die fragliche Site nicht wirklich kaputt.

Falls der Hintergrund nicht weiss, sondern farbig sein soll, lässt sich das einfach bewerkstelligen: Wechselt im Inspektor zum Reiter Stilbearbeitung. Links steht wahrscheinlich der Hinweis «Diese Seite verfügt über kein Stil-Dokument». Dort einfach aufs Plus-Symbol klicken, um ein solches Dokument hinzuzufügen. Im rechten Bereich trägt man nun folgenden CSS-Befehl für die Einfärbung des Hintergrunds ein, wobei man anstelle von coral einen beliebigen HTML-Farbnamen oder -Code verwenden kann:

body {background-color: coral;}

Vor dem Fotografieren den Inspektor schliessen – aber das versteht sich von selbst.

Wenn es im Browser regnen darf, dann ist lookingatsomething.com die passende Adresse.

Falls doch etwas zu sehen sein darf oder sollte, gibt es Websites mit grossen Bildern und wenig Text, die sich gut als Kulisse eignen, zum Beispiel allolo.ru. Auf lookingatsomething.com regnet es; wobei die Stärke davon abhängt, wo man den Mauszeiger platziert. Unter staggeringbeauty.com gibt es einen seltsamen Wurm, der der Maus folgt. Apropos Wurm: Unauffällig ist, so lange man nicht auf das schwarze Rechteck klickt, auch grandpanoclothes.com.

Bei trypap.com, der «Passive Aggressive Password Machine» finden sich grosse, kurze Texte, die zwar etwas ablenkend wirken können, dafür auch nicht die reine Leere ausstrahlen. Und bei koalastothemax.com finden sich unauffällige Kreise, die per Klick eine Art Zellteilung ausführen; aber abgesehen davon ein sehr dezentes Hintergrundmotiv abgeben.

Ein Extra-Tipp: Ein leeres Browser-Fenster eignet sich auch als neutraler Hintergrund für alle Programme, die man nicht vor seinem üblichen Desktop screenshotten möchte – sei es, weil dort Icons mit Dateien liegen, die die Welt nichts angehen, sei es, weil das Wallpaper zu persönlich oder einfach zu ablenkend ist. Einfach den Browser mithilfe der F11-Taste in den Vollbildmodus versetzen und dann mittels Alt + Tabulator den Taskswitcher bemühen und das zu fotografierende Fenster in den Vordergrund holen.

Beitragsbild: Das Gegenteil von Unauffällig (Sharon McCutcheon/Pexels, Pexels-Lizenz).

Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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