Was für eine Woche!

Was für eine Woche!

Schon lange trage ich mich mit dem Gedanken, am Ende einer Woche einen kleinen Rückblick zu veröffentlichen: Mit den wichtigsten Meldungen und einem (optionalen) Kurzkommentar. Bei Clickomania.ch passt das nicht richtig ins Konzept – aber hier scheint mir die Idee perfekt. Eure Meinung zu dieser Idee lese ich übrigens gerne via Kommentare.

Über die wichtigste Geschichte dieser Woche brauchen wir nicht lange zu diskutieren. Es ist natürlich diese hier:

#Cryptoleaks

Ein Schweizer Unternehmen, das Verschlüsselungsmaschinen baut, wird von zwei Geheimdiensten, dem BND und der CIA unterwandert und stattet seine Maschinen daraufhin mit einer Hintertür aus. Das schadet dem Renommee – aber man fragt sich unweigerlich auch, wie diese Affäre seit den 1950er-Jahren unentdeckt bleiben konnte. Dazu zwei Links: Erstens die Sendung «Rundschau» des Schweizer Fernsehens zur Aufdeckung.

Und zweitens Dominik Landwehr mit einem Interview mit meinem ehemaligen Chef Res Strehle, ehemaliger Chefredaktor beim «Tagesanzeiger». Er sagt: «Wir haben es immer gewusst. Aber wir konnten es nicht beweisen.»

Schon wieder ein Blackout bei Swisscom

Beim Schweizer Telefonanbieter Swisscom gab es in der Nacht auf Mittwoch einen Ausfall. Laut der Mitteilung des Unternehmens auf Twitter waren «die internetbasierten Dienste» betroffen. Das ist ein Euphemismus, da für das Telefonnetz per Ende November 2019 auf All IP umgestellt wurde und zu diesen internetbasierten Diensten auch die Notrufnummern gehören.

Watson zitiert hier einen Betroffenen, nämlich Theo Flacher von Schutz und Rettung Zürich, die über die Notfallnummern wie 144 nicht mehr erreichbar waren: «Technisch sind uns die Hände gebunden. Wenn telefonisch nichts mehr geht, dann ist das der Super-GAU.»

Es ist anzunehmen, dass dieser Vorfall ein politisches Nachspiel für die Swisscom haben wird. Und ich hoffe, dass es unerfreulich sein wird. Aber wenn die Führungsriege nicht völlig apathisch ist, dann müsste das Unternehmen selbst auf die Idee kommen, nun die Lehren zu ziehen. Denn wie will man mit Google bei den Datencentern konkurrenzieren, wenn man nicht einmal das Kerngeschäft mit der Grundversorgung im Griff hat?

Aus für Essential

Ausserdem konnte man lesen, dass Essential, das Unternehmen von Android-Vater Andy Rubin die Segel gestrichen hat. Man kann an dieser Stelle darüber spekulieren, ob Rubin ein besserer Entwickler als Geschäftsmann ist. Oder aber anerkennen, dass es für ein Startup extrem schwierig ist, in dieser Branche mitzuspielen und Milliardenkonzernen wie Samsung, Xiaomi, Huawei und Google die Kunden abspenstig zu machen.

Mobile World Congress abgesagt

Und dann das: Der Mobile World Congress (MWC) findet 2020 nicht statt. Die Messe ist dem Corona-Virus zum Opfer gefallen, zu viele Unternehmen hatten ihre Teilnahme im Vorfeld abgesagt. Vermutlich ein richtiger Entscheid, weil solche Anlässe, die Zehntausende Leute aus aller Welt anziehen, ideal für die Verbreitung einer ansteckenden Krankheit sind, findet hier die «Deutsche Welle»:

Um die Verbreitung einer solchen Seuche zu beschleunigen, gibt es nichts effektiveres als internationale Mega-Events. Fast alle Teilnehmer reisen in Flugzeugen aus der Ferne an. Mit je 300 bis 500 anderen Passagieren sind sie über viele Stunden in einer Röhre eingesperrt.

Ich bin kein Epidemiologe und habe daher keine qualifizierte Meinung dazu. Ich frage mich aber generell, ob solche Messen noch zeitgemäss sind. Klar, der Mensch ist ein soziales Wesen und wir schätzen auch im 21. Jahrhundert den direkten Kontakt. Aber für mich persönlich waren Messebesuche nie befriedigend: Zu viel Aufwand, zu wenig Ertrag. Da darf man sich gerne etwas Moderneres überlegen.

Und vorerst auch kein Facebook-Dating

Facebook kann Datingservice nicht am Valentinstag starten, schreibt der «Spiegel». Ach wie schade – hätten wir alle doch sooo gerne unseren Lieblings-Verschwörungstheoretiker auf Zuckerbergs asozialem Netzwerk zu unserem Herzensbuben gemacht… (Das war ironisch gemeint, imfall.)

Beitragsbild: Hintertür – Symbolbild. (Die Hintertüren, um die es bei den Cryptoleaks geht, sind allerdings nicht so auffällig gelb gestrichen.) (Airam Dato-on/Pexels, Pexels-Lizenz)

Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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